Viermonatiges Sommerpraktikum bei der EU-Delegation in Genf
Mit ihrem ersten Stipendien-Programm lädt die Wilhelm Frank Stiftung seit 2024 eine herausragende Studentin oder einen herausragenden Studenten der Zeppelin Universität in Friedrichshafen dazu ein, im Rahmen eines Praktikums die Arbeitsweisen, Herausforderungen und das internationale diplomatische Umfeld in internationalen Organisationen kennenzulernen.
Das Programm trägt so zur Erweiterung interkultureller Kompetenzen und zur Förderung der Bildung durch die Sammlung praxisrelevanter Erfahrungen bei. Darüber hinaus verbessern die Erfahrungen im Rahmen des Praktikums die Chancen für eine spätere Beschäftigung im internationalen Tätigkeitsbereich.
Gefördert durch die Wilhelm Frank Stiftung, begleitet der oder die Studierende vom 1. Mai bis zum 31. August eines Jahres das Menschenrechts-Team der EU-Delegation und erlebt bei einer Vollversammlung des UN-Menschenrechtsrates Resolutionsverhandlungen, zentrale Abstimmungen und Sitzungen mit Sonderberichterstattern hautnah.
Die Praktikantin / der Praktikant wird administrativ durch die EU-Delegation betreut. Die Wilhelm Frank Stiftung unterstützt bei der Vor- und Nachbereitung des Aufenthalts und finanziert das monatliche Gehalt mit 1.300 Euro.
Erfahrungsberichte

Das Praktikum bei der Delegation der Europäischen Union bei den Vereinten Nationen in Genf war zweifellos eine der bereicherndsten Erfahrungen meines Lebens. In den vergangenen Monaten hatte ich die Möglichkeit, die Arbeit der EU während der 62. Sitzung des UN-Menschenrechtsrats aus nächster Nähe mitzuerleben und das Human Rights Team bei seiner täglichen Arbeit zu unterstützen. Zu meinen Aufgaben gehörten unter anderem die Teilnahme an Sitzungen, das Protokollieren der Debatten sowie die Erstellung interner Berichte und Zusammenfassungen.
Besonders fasziniert hat mich die enorme thematische Bandbreite der Arbeit. Kaum ein Tag glich dem anderen: Von Frauenrechten und Gleichstellung über das Recht auf Gesundheit, die Rechte älterer Menschen und indigener Gemeinschaften bis hin zur Todesstrafe oder Fragen der Meinungsfreiheit – nahezu täglich standen andere menschenrechtliche Herausforderungen im Mittelpunkt. Viele dieser Themen kennt man aus den Nachrichten oder aus dem Studium, doch sie direkt vor Ort mitzuerleben, verleiht ihnen eine völlig neue Dimension.
Zu beobachten, wie Delegierte aus allen Regionen der Welt mit ganz unterschiedlichen politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Hintergründen zusammenkommen, ihre Positionen vertreten und um Formulierungen und Kompromisse ringen, war für mich unglaublich spannend. Gerade diese Begegnung unterschiedlichster Perspektiven macht die Arbeit der Vereinten Nationen so einzigartig.
Ebenso beeindruckt hat mich die internationale Atmosphäre in Genf. Selten habe ich einen Ort erlebt, an dem Menschen aus so vielen verschiedenen Ländern und Kulturen täglich zusammenarbeiten. Diese Vielfalt war nicht nur während der Arbeit spürbar, sondern prägte auch das Leben außerhalb der Vereinten Nationen. Ich durfte Freundschaften mit Menschen aus aller Welt schließen, Einblicke in unterschiedliche Kulturen gewinnen und viele inspirierende Gespräche führen. Dieses Gefühl internationaler Zusammenarbeit und gegenseitigen Austauschs war für mich etwas ganz Besonderes und hat meinen Aufenthalt weit über die fachlichen Erfahrungen hinaus bereichert.
Auch die Zeit in Genf selbst werde ich in bester Erinnerung behalten. Trotz der sommerlichen Hitze boten der Genfersee und die Rhône nach langen Arbeitstagen die perfekte Gelegenheit, sich abzukühlen und den Tag gemeinsam mit neuen Freundinnen und Freunden ausklingen zu lassen. Rückblickend bin ich sehr dankbar, diese einmalige Erfahrung gemacht haben zu dürfen. Das Praktikum hat nicht nur mein Interesse an den Menschenrechten und der multilateralen Diplomatie weiter vertieft, sondern mich auch persönlich geprägt und mir gezeigt, wie wertvoll internationale Zusammenarbeit und der Austausch zwischen Menschen unterschiedlichster Herkunft sein können.
Ein Sommerpraktikum bei der EU-Delegation in Genf bietet nicht nur spannende Einblicke in die internationale Diplomatie, sondern auch prägende persönliche Erfahrungen. Lukas Petersson, Masterstudent im Studiengang International Relations & Global Politics an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen und erster Stipendiat im Förderprogramm der Wilhelm-Frank-Stiftung, erlebte 2024 drei intensive Monate.
So konnte er die analytische und strategische Arbeit hinter den Kulissen beobachten: „Diplomaten beeindrucken durch ihre Fähigkeit, sich schnell in neue Themen einzuarbeiten und flexibel zu agieren.“
Die Arbeit bei der EU-Delegation ermöglichte es Lukas Petersson, theoretisches Wissen aus seinem Studium in die Praxis umzusetzen: „Ich konnte die Dynamiken zwischen den EU-Mitgliedstaaten hautnah miterleben und verstehen, wie europäische Außenpolitik in einem multilateralen Kontext funktioniert.“
An künftige Stipendiaten appelliert er, die Chance auf ein Praktikum in Genf zu nutzen. „Genf bietet nicht nur persönliche, sondern vor allem berufliche Bereicherungen“, erklärt er. Trotz eines hohen Arbeitspensums sei die Atmosphäre bei der EU-Delegation respektvoll und unterstützend.
Direkt aus Genf hatte er im Sommer 2024 dies berichtet:
„(…) Unter anderem hatte ich zuletzt die Ehre, das EU-Team bei der 56. Sitzung des Menschrechtsrats zu unterstützen. Zu meinen Aufgaben gehörte es, verschiedene Veranstaltungen zu besuchen und die anschließende Berichterstattung zu übernehmen. Hierzu zählen beispielsweise interaktive Dialoge mit Sonderberichterstattern oder Verhandlungen über Resolutionen. Beindruckt haben mich nicht nur die Interaktionen zwischen den Delegationen, sondern auch der Austausch mit Nichtregierungsorganisationen und anderen Vertretern der Zivilgesellschaft. Ein Gespräch, das mir besonders in Erinnerung geblieben ist, war das mit dem Menschenrechtsverteidiger Olivier Vandecasteele. Dieser wurde mehr als ein Jahr lang vom iranischen Staat als Geisel festgehalten und setzt sich nun für die Sicherheit seiner Kollegen und Kolleginnen ein. Neben den wertvollen Praxiserfahrungen profitiere ich auch von den sozialen Kontakten, die ich in Genf geknüpft habe. Über das Praktikum lerne ich Freunde aus aller Welt kennen, wodurch ich meine interkulturellen Kompetenzen immer weiter ausbauen kann.“
Amar Günther über sein Praktikum bei der EU-Delegation in Genf
Amar Günther studierte an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen Sociology, Politics & Economics, als er 2025 ein Praktikum bei der Ständigen Vertretung der Europäischen Union bei den Vereinten Nationen in Genf machen durfte. Ermöglicht wurde das durch ein von der Wilhelm Frank Stiftung finanziertes Praktika-Programm. Hier sein erster Bericht aus Genf:
„Seit Beginn meines Praktikums bei der Ständigen Vertretung der Europäischen Union bei den Vereinten Nationen in Genf habe ich wertvolle Einblicke in die multilaterale Diplomatie erhalten. Derzeit begleite ich die 59. Sitzung des UN-Menschenrechtsrats, bei der ich das EU-Team insbesondere durch die Teilnahme an Sitzungen, die Beobachtung interaktiver Dialoge sowie durch die Erstellung interner Berichte unterstütze. Dabei verfolge ich unter anderem Diskussionen mit Sonderberichterstattern und Verhandlungen zu menschenrechtlichen Resolutionen. Besonders eindrücklich ist für mich, wie lebendig und kontrovers die Debatten im Saal des Menschenrechtsrats geführt werden. Delegierte streiten mit Nachdruck für ihre Positionen, teils mit scharfen Worten, und doch begegnet man sich nach den Sitzungen, sei es am UN-Strand oder bei einer inoffiziellen Zusammenkunft am Abend, mit erstaunlicher Offenheit und Respekt. Dass selbst Vertreter:innen gegensätzlicher Positionen außerhalb des Plenarsaals persönliche Beziehungen pflegen und miteinander lachen können, ist ein starkes Zeichen für den Wert von Diplomatie. Von dieser Fähigkeit zum Dialog trotz Differenzen könnte sich die zunehmend polarisierte Gesellschaft in vielen Ländern etwas abschauen. Ein zentrales Thema der letzten Wochen war zudem die aktuelle Finanzkrise der Vereinten Nationen, deren Auswirkungen in Genf deutlich spürbar sind, etwa in Form gekürzter Sitzungstage oder verschobener Mandate. Diese Situation hat mir eindrucksvoll vor Augen geführt, wie sehr auch gut etablierte internationale Institutionen auf eine verlässliche finanzielle Grundlage angewiesen sind, um ihren Aufgaben gerecht werden zu können. In der kommenden Woche werde ich unter anderem an Sitzungen zur Situation indigener Völker teilnehmen und mich vertieft mit Fragen rund um Selbstbestimmung, Landrechte und strukturelle Diskriminierung befassen. Neben den fachlichen Erfahrungen schätze ich auch die internationale Atmosphäre in Genf sehr.“
Rückblick
In seinem Abschlussbericht schilderte Amar Günther noch einmal rückblickend seine Erlebnisse bei den Vereinten Nationen, das internationale Umfeld und die persönlichen Begegnungen und Erfahrungen, die ihn nachhaltig geprägt und begeistert haben.
„[…] Die erste Phase meines Praktikums war vor allem von der Arbeit während der Sitzungen des HRC geprägt. Diese Zeit war intensiv, oft fordernd und insbesondere durch das Verfassen von Berichten und Notizen zu den Sitzungen geprägt. Gerade diese Intensität führte jedoch dazu, dass ich schnell mit den anderen Praktikant:innen in Kontakt kam. Aus diesen Begegnungen entstanden nicht nur Arbeitsgemeinschaften, sondern auch echte Freundschaften.
Diese Gemeinschaft war für mich einer der schönsten Aspekte meines Praktikums: Wir haben uns gegenseitig unterstützt, voneinander gelernt und uns auch in stressigen Momenten motiviert.
Besonders bereichernd war der internationale Charakter dieser Praktikant:innengruppe. Ich hatte die Gelegenheit, Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern und Kulturen kennenzulernen, und es war faszinierend, wie vielfältig die Perspektiven auf die Arbeit der Vereinten Nationen und auf globale Themen sein können. Diese Begegnungen haben meine eigene Sichtweise erweitert und den Arbeitsalltag nicht nur interessanter, sondern auch oft humorvoller und lebendiger gemacht.
Viele DiplomatInnen, die ich während des Praktikums traf, berichteten immer wieder, dass gerade der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus aller Welt zu den inspirierendsten Aspekten ihres Berufs gehört.
Für uns Praktikantinnen war es zwar nicht möglich, in dieselbe diplomatische Sphäre vorzudringen, doch unsere eigene „Praktikantinnen-Bubble“ wurde zu einem kleinen, aber lebendigen Abbild dieser Welt, mit (mindestens;)) ebenso spannenden Diskussionen, Perspektiven und Freundschaften. Nach dem Ende der HRC-Sitzungen veränderte sich die Dynamik meines Praktikums deutlich.
[…]
Die folgenden Wochen wurden zu einer meiner lehrreichsten und interessantesten Erfahrungen, weil ich die Gelegenheit erhielt, in andere Bereiche hineinzuschauen, sodass ich am Ende überrascht war, wie schnell die Zeit vorbeigegangen war und mein Human-Rights-Team wieder vor Ort ankam.
Besonders prägend war in dieser Zeit für mich die Arbeit im Bereich Abrüstung. Ich konnte an verschiedenen Konferenzen und Meetings teilnehmen und bekam so Einblicke in Themenfelder, mit denen ich zuvor kaum Berührungspunkte gehabt hatte. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, wie breit gefächert die Arbeit der Vereinten Nationen ist und wie komplex die internationalen Verhandlungen zu Fragen der Sicherheit und Rüstungskontrolle sind.
Ein weiterer unvergesslicher Höhepunkt meines Praktikums war eine Woche, die sich den Anliegen und Rechten indigener Völker widmete. Der gesamte Konferenzsaal war gefüllt mit Menschen aus allen Regionen der Welt: Vertreterinnen und Vertreter indigener Gemeinschaften, Aktivist:innen, NGOs und Delegierte von Staaten. Für mich war das ein besonders bewegender Moment, denn schon als Kind hatte ich großes Interesse an den Kulturen indigener Völker.
Diese Woche war nicht nur eine fachliche Bereicherung, sondern auch eine sehr persönliche Erfahrung, die mir noch lange in Erinnerung bleiben wird. Ich empfand die Weisheit, Gelassenheit und die tiefe Verbundenheit vieler dieser Menschen mit ihren Traditionen und ihrer Umwelt als beeindruckend und lehrreich.
[…]
Ich habe in kurzer Zeit nicht nur unglaublich viel gelernt, sondern auch Menschen kennengelernt, die meinen Horizont erweitert und mich inspiriert haben. Die Erfahrungen, die ich dort gesammelt habe, werden mich sicherlich auf meinem weiteren Weg begleiten.
Auch wenn ich nach meinem Aufenthalt in Genf noch nicht genau weiß, wohin mich mein beruflicher Weg letztlich führen wird, so ist mir doch klar, dass diese Zeit ein entscheidender Wegweiser für mich sein wird. Ohne die Möglichkeit dieses Praktikums hätte ich diesen Wegweiser nicht gefunden.
Dafür bin ich Ihnen und allen, die mir dieses Praktikum ermöglicht haben, von Herzen dankbar. Es hat für mich nicht nur einen Unterschied gemacht, sondern auch meinen Blick auf die Welt und auf meine eigenen Ziele nachhaltig geprägt.“